Antrag bzgl. der Zwischenlagerung von Woolit (Fa. Woolrec) in der AKM-Halle auf der Deponie Beselich vom 23.5.2011

 

Die Fa. Woolrec aus Braunfels lagert seit Dezember letzten Jahres in der AKM-Halle auf dem Deponiegelände in Beselich ca. 30 bis 40 LKW-Ladungen des von ihr aus Glas- und Mineralwolle recycelten Fasermehls (Woolit), das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Laut Sicherheitsdatenblatt 91/155/EWG, das den Umgang mit diesem Material regelt, darf das Material nur bis zu 4 Monate gelagert werden. Gegenüber der Presse hat die Fa. Woolrec (Presseartikel vom 19.3.11) erklärt, bereits mit dem Abtransport des Materials begonnen zu haben. Mittlerweile sind die Lagerungszeiten aber bereits um ca. 2 Monate überschritten worden, so dass die Qualitätsansprüche an das Material nicht mehr erfüllt werden und aus dem Produkt u. E. ein „Sonder“- Abfall geworden ist.  Durch Untersuchungen konnte wir feststellen, dass in dem sogenannten Woolit kaum Bindemittel vorhanden sind, um die künstlichen Mineralfasern (KMF) unschädlich zu machen.

 

Wenn der erste Kreisbeigordnete Jung im gleichen Pressebericht behauptet, da würde nichts stauben, ist er schlecht informiert, bzw. hat die Lagerung nicht selbst in Augenschein genommen. Die vorgeschriebene regelmäßige Befeuchtung des Materials findet nicht statt, was wegen der bisherigen Witterungsverhältnisse und im Hinblick auf die Staubentwicklung beim Be- und Entladen fatal ist.

 

Woolit enthält definitiv kanzerogene KMF (Kategorie 3) und wird selbst vom Regierungspräsidium (RP) als gefährliche Zubereitung mit dem R-Satz R 40 bezeichnet. Das Gefährlichkeitsmerkmal der kanzerogenen KMF-Fasern wird noch nicht bei der Verarbeitung zum Produkt Woolit zerstört, sondern erst in einem Brennprozess bei einem Ziegelwerk, zu dem es geliefert werden soll. Laut Vorgaben des RP darf Woolit die Fa. Woolrec nur unter bestimmten Qualitätsansprüchen und mit dem Verwendungszweck Ziegelwerk verlassen. In allen anderen Fällen ist es als Abfall und damit als gefährlich einzustufen, so das RP.

 

Die Gemeindevertreter von Beselich haben sich am 8.11.10 mehrheitlich gegen die Ansiedlung der Fa. Woolrec und die damit verbundenen Gesundheitsgefahren ausgesprochen. Diese Gefahrenabwehr unterläuft der Kreis, indem er das AKM-Gelände an die Fa. Woolrec vermietet.

 

Die Bürgerliste stellt daher an die Gemeindervetretung und den Gemeindevorstand den Antrag, Maßnahmen mit dem Ziel zu ergreifen, eine fortdauernde Lagerung von Woolit in der Gemarkung Beselich zu verhindern. Des Weiteren sollte geprüft werde, welche strafrechtlichen Schritte ergriffen werden können.

 

 

Thematisierung auf der Gemeindevertretersitzung vom 15.6.11:

Der Bürgermeister berichtete, dass bereits eine Anfrage an den RP erfolgt sei. Eine Antwort sollte abgewartet werden. Bis Ende Juni ist jedoch durch den RP keine Rückmeldung an die Gemeinde erfolgt.

 

Maßnahmen der BLB

Frank Nickel stellte zusätzlich eine Anfrage an den RP mit folgendem Inhalt:

  1. Sind die 500 Tonnen ( lt. Pressebericht Weilburger Tageblatt vom 26.05.2011 ) abtransportiert worden?
  2. Welche Nachweise liegen hierfür vor?
  3. Wurde das Woolit komplett zu Ziegeleien transportiert und wie kann dies nachgewiesen werden?
  4. Liegen Ihnen Eingangsbestätigungen der genauen Mengen an angeliefertem Woolit seitens der Ziegelwerke vor?
  5. Wie lange darf das "später" in die Halle eingebrachte Woolit noch dort gelagert werden?
  6. Es wurde behauptet, daß das Woolit regelmäßig befeuchtet wird. Wie ist dies ohne eine entsprechende Sprinkleranlage technisch möglich?
  7. Das Material  Woolit liegt auf einer Halde in der Ecke der Halle. Wie kann der Abtransport in der vorgeschriebenen Reihenfolge ( entsprechend der Anlieferung ) logistisch durchgeführt werden?



Derzeitiger Sachstand:

Die AKM-Halle ist bis Ende Juni geräumt worden. Es wird dort momentan kein Woolit mehr gelagert. In der Betriebskommission Abfallwirtschaft wurde die Lagerung ebenfalls thematisiert. Offensichtlich will der Kreis LM/WEL künftig keine Wollitlagerung mehr dort genehmigen, was abzuwarten bleibt.

Für Vergrößerung Bild anklicken.