Landschafts- und Naturschutz

Verwüstungen der Spazierwege

NNP-Leserbrief – 07.09.11

Von Norbert Bandur

 

Brutale Misshandlung der Natur...

Zu: Die letzte Ruhe unterm Baum (Ausgabe vom 1. September)

 

Beselich. Es ist sicher ein interessanter Vorschlag der "Neuen Mitte", neben dem Niedertiefenbacher Friedhof einen Bestattungswald anzulegen. Hat es doch nebenbei den Vorteil, dass ein kleiner Teil des Beselicher Waldes aus der forstwirtschaftlichen Intensivstbewirtschaftung herausgenommen wird. Was man hier für die Toten vorschlägt, könnte auch ein Wunsch für die Lebenden sein: ein intakter Wald, der es verdient als Naherholungsgebiet bezeichnet zu werden. Vielleicht kommt es jetzt zu einer Trendwende.

 

Was früher nur im Winter bei gefrorenem Boden in der Vegetationspause geschah, wird heute mit steigender Tendenz das ganze Jahr über mit martialischen Geräten betrieben: Holzernte – eine romantisierte Bezeichnung für eine brutale Misshandlung der Natur. Manche Stellen im Wald sind einem Übungsplatz für Panzer in der Lüneburger Heide nicht unähnlich. Der Rubel muss rollen – auf Kosten von teilweise seltenen Pflanzen, von Vögeln und anderem Getier. Der gefräßige Harvester (Holzerntemaschine) muss das ganze Jahr über etwas zum Fressen haben. Im Wald ist immer Hochsaison.

 

Hat das noch etwas mit nachhaltiger Forstwirtschaft zu tun? Ich möchte das stark bezweifeln. Wann immer man sich traut, einmal im Wald spazieren zu gehen sieht man neue Dramen, die sich abgespielt haben. Es geht nur noch ums Geld. Die Natur steht hintan. Naherholung? Fehlanzeige! Wie lange wird dieses Treiben noch geduldet. In diesem Jahr ist es besonders schlimm. Scheinbar kann alles bisher Erlebte noch gesteigert werden. Wann gibt es mal ein Jahr, wo ein wenig Ruhe in dem einen oder anderen Waldstück einkehrt? Wo man bei einem Spaziergang feststellt, dass sich die Natur nicht innerhalb einer Woche in einem unerträglichen Maß verändert hat.

 

Einstmals begehbare Wege werden unpassierbar.